About Kindervatter

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KAWI | Folge 2

Eine größere Gruppe angeblich Zweijähriger sorgte gestern für Unruhe bei KAWI-KIDS. Mit knallroten Gesichtern und popelverschmierten Oberlippen sprangen sie rücksichtslos ins Bällebad, rasten mit Bobbycars durch die Kurven und über die Beine von herumliegenden Einjährigen. Eine Mutter formte mit ihren Händen einen unsichtbaren Helm, den sie ihrem krabbelnden Säugling aufsetzte und mit gespreizten Fingern über seinem Kopf hinter ihm hertippelte. Das dazugehörige Tageselternpaar aus Camp David, fläzte sich auf die Bänke und kauderwelschte mit Lokalkolorid: „Wenn dor Ritschi sisch den Eiorguhchen reinschnabbolieort, gönnt’sch misch beölen“. Ich pumpte mir für einen Cent in die Kasse des Vertrauens einen frisch gebrühten Kaffee in die Tasse, schaute rüber zu meiner Tochter, die lächelnd, wackelig stehend an einem großen Spielzeug fistelte, als plötzlich ein Junge aus der Gruppe zu ihr rannte und sie vom Spielzeug wegdrängte. Gutmütig lächelte sie ihn an und begann seinen Arm zu streicheln, bis er sie mit beiden Händen zu Boden stieß. Bis zu diesem Moment hatte meine Tochter noch nie Ablehnung erfahren und begann zu weinen. Ich ging rüber, hob sie auf, wischte ihr die Tränen ab und wandte mich an die stinkende Ratte. „So, jetzt ist eine Entschuldigung fällig, Kollege“, doch Kollege schwieg. „Hast du mich nicht gehört?“ Ignorant begann er an dem Spielzeug zu spielen. „Gibbs ä Brobläm?“, sprach Camp David mich von der Seite an. „Ja, Ihr halbstarkes Mündel hat meine zehn Monate alte Tochter grundlos zu Boden gestoßen“ „Mei was? Ritschi, hassde geschubbst?“ Die Ratte schüttelte den Kopf. „Brobläm geklärt“, teilte mir Camp David mit. „Wenn der Junge keine Verantwortung für sein Verhalten übernehmen möchte, dann werden Sie das eben tun.“ Ich packte ihn am Yakuza-Shirt, wirbelte ihn zwei-, dreimal über meinem Kopf durch die Luft und warf ihn durch die Schaufensterscheibe. Alle Mütter, der knochige Papa im Bällebad und die Kinder jubelten und klatschten, Helm-Mama brachte mir meine dampfende Kaffeetasse rüber und Ritschi entschuldigte sich bei meiner Tochter. Sie lächelte.

(Teilweise fiktiv.)

 

KAWI | Folge 22019-01-23T12:23:20+00:00

KAWI | FOLGE 1

Gestern habe ich mit meiner Tochter erstmals die offene Krabbelgruppe im Indoor-Spielplatz besucht. „Schaut mal Kinder, noch ein Papa!“, riefen 15 krabbelnde Mütter. Einige rückten sich die zerzausten Haare zurecht. Im Gesicht des einzigen Mannes vor Ort wurden die Augen groß und er formte Mimiken der Erleichterung. Er war komplett ausgemergelt, knöchrig und blass und auf seinen Knien, Ellenbogen und Wangenknochen klebten Schaumstoffstücke, damit er im Bällebad niemanden verletzte. „Gibts hier irgendwo Kaffee? Und wo kann ich meinen Laptop laden?“, fragte ich in die Runde. Laptops sehe man hier nicht so gerne und Kaffee gebe es in der Pumpkanne, daneben stünde die Kasse des Vertrauens. Ich hatte ein Centstück sowie einen Fünf-Euro-Schein dabei und entschied mich für das Centstück, da man dies besser hörte und ich wohl kaum mehr als einen halben Kaffee von der Brühe zu mir nehmen würde. Nachdem ich die Pumpkanne komplett leer getrunken hatte, war es mir dann irgendwie zu doof den Schein noch einzuwerfen. Nächstes Mal werde ich mehr Centstücke mitnehmen.

 

KAWI | FOLGE 12019-01-23T12:24:02+00:00

Das Spermiogramm

Kaum hatte ich mich beschwert, dass das Mummy Mag eigentlich ein Daddy-Pendant bräuchte, musste ich auch schon einen Text hinschicken. Wie gut, dass ich ein Erlebnis auf der Pfanne hatte, über das sich zu schreiben lohnte: die Durchführung eines Spermiogramms. Masturbation aus medizinischen Gründen, quasi für einen guten Zweck, sowas ist mir bisher nicht untergekommen. Da wurde das kindische Ich in mir geweckt, das kichert, wenn jemand „Sperma“ oder „Glied“ sagt. Den Artikel gibt es hier. Viel Spaß beim Lesen!

 

Das Spermiogramm2019-01-23T12:06:24+00:00

Kindervatter jetzt mit einem „t“

Heute bekam ich einem Mail von einer Leserin, die nach einem zweiten Buch fragte. Gute Frage. Selbstverständlich schreibe ich immer wieder Texte für die Bühne und ich arbeite auch an einem neuen Roman, allerdings hat es dieser nicht besonders eilig und braucht auch noch ein paar Jahre. Zudem gab und gibt es einige neue Projekte, die nichts mit Literatur zu tun haben. Fotografie und Malerei haben auch eine gewisse Anziehungskraft auf mich und fordern Zeit. Anfang des Jahres mündete dies in einer Installation, die im Museum der bildenden Künste ausgestellt wurde (Artikel in der LVZ). Und dann ist noch etwas ganz anderes und höchst Famoses passiert: Ich bin Vater geworden. Im Ernst. Ganz wirklich. Jetzt muss alles erst mal neu sortiert werden. Eine Angst kann ich Euch allerdings schon mal nehmen: Es gibt nicht noch ein Buch über einen zynischen Vater in der Stadt und ich schreibe auch keine Kinderbücher – versprochen.

Kindervatter jetzt mit einem „t“2018-11-05T21:45:19+00:00

Leseduell in Dortmund

Vor vielen Jahren, als Handys noch in Hosentaschen passten, habe ich mal im Ruhrgebiet gelebt. Einerseits wegen des Studiums, andererseits, weil ich mich dort sehr wohl gefühlt habe (siehe Abbildung. „Kindervatter und der Tequila“, Dortmund, 2001) Dortmund ist rauh und direkt, so wie ich mich selbst sehe, wenn ich vor dem Spiegel posiere, alleine, vor dem Rasieren. Und hätte der Verkehr auf der A40 mich nicht in den Wahnsinn getrieben und hätte Berlin nicht meinen Namen gerufen – ich wäre wohl immer noch in der Saarlandstraße 49 zu Hause. Daher freue ich mich sehr, dass LUUPS uns gefragt hat, ob wir nicht mit „Kindervatter vs Krätschell – Ein Leseduell“ am 11.06.2017 nach Dortmund kommen wollen. Da haben wir gesagt: „Ja“ und „Geilo!“ haben wir auch noch gesagt. Kommt vorbei, ladet Euch ein, trinkt ein Bier mit uns! Wir lesen um die Wette und am Ende wird abgestimmt, wer der lustigere war. Infos zur Veranstaltung findet Ihr hier: Leseduell Dortmund

Leseduell in Dortmund2018-11-04T00:31:04+00:00

Da war ich noch nie!

In Plankstadt bei Heidelberg, so sagt man, sei ich ein Renner in der Bibliothek. Aus diesem Grund hat man mich zum 25. Jahrestag der Bücherei Plankstadt eingeladen und darüber freue ich mich ganz besonders. Ich war nämlich noch nie in meinem Leben in Baden-Württemberg. In meiner Kindheit lag es wohl an der eingeschränkten Reisefreiheit des Unrechtssystems, in das meine Eltern mich verantwortungsloser Weise hineingeboren hatten und danach ist es irgendwie nicht dazu gekommen. Ich durfte bisher keinen Porsche vom Werk abholen, wurde leider nie von Harald Schmidt zum Essen eingeladen oder von Xavier Naidoo zur Überarbeitung seiner Texte. Baden-Württemberg ist ein weißer Fleck auf meiner persönlichen Landkarte. Gott sei Dank, grenzt die Hauptstadt Baden-Württembergs (Berlin-Prenzlauer Berg) direkt an meinen alten Kiez in Berlin-Friedrichhain, sodass ich mir die Einwohner schon mal grob ansehen konnte. Zwei davon zählen zu den besten Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte. Es muss sich also um einen hervorragenden Landstrich handeln.

Da war ich noch nie!2018-11-05T21:46:36+00:00

BOOK BROTHERS

Nachdem ich ja nun schon oft bei anderen Lesebühnen zu Gast war, bin ich jetzt selbst Teil einer solchen. Roman Israel, Uwe Schimunek und ich sitzen ab sofort jeden ersten Dienstag im Monat im Cafè Robotnik im Leipziger Südsüden und gentrifizieren was das Zeug hält. Drama, Krimi und meine „platten Anekdoten“ (Zitat meines Erzfeindes Hannes Krätschell) stehen von nun an auf der teil-veganen Karte des sympathischen Gastro-Juwels. Da ist für jeden Linksautonomen und Punker der Connewitzer Szene, aber auch für Euch etwas dabei. Schaut doch mal vorbei. Eine Website haben wir auch schon: www.book-brothers.de

BOOK BROTHERS2018-11-05T21:50:18+00:00

Tourbericht

In der letzten Woche hatte ich die Ehre bei den berühmten Berliner Lesebühnen LSD, Surfpoeten, Brauseboys und der Reformbühne als Gastleser auftreten zu dürfen. Und man muss abschließend sagen: Ich konnte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich benutze seit langem die Wetter-App von Yahoo, weil sie im Gegensatz zu einigen anderen Apps, ein für meine Sakkoträger-Bedürfnisse optimales Wetter anzeigt – milde Winter und kühle Sommer. Bereits beim ersten Lesetermin im Schokoladen musste ich feststellen, dass die schwarze Montur mit dem Samt-Sakko bei vierzig Grad völlig falsch gewählt war. Passenderweise las ich von Sommererinnerungen in der DDR und dem ostdeutschen Meer und konnte dadurch den afrikanischen Kontinent aus Schweiß auf meinem T-Shirt und die Tropfen in meinen Haaren als illustrierende Interaktion verkaufen. Auch der mitgeführte Deo-Roller konnte der Transpiration keinen Einhalt gebieten, da meine Freundin mir in ihrer ökologisch-gesundheitlichen Absicht eine Ausführung ohne Alkohol und Aluminium einpackte – wegen Alzheimer, Tierversuchen und Krebs und so. Dieser hat weniger die Funktion die Schweißdrüsen zu stopfen als vielmehr die, den körpereigenen Geruch mit einer Art Blütengeruch zu mischen. Und während die anderen Leser in der Runde wohlduftend den Hopfen ihres Pausenbiers verdunsten durften, roch ich nach mehrfachem Trocknen und erneutem Vollschwitzen, wie ein Iron-Man Athlet im Lavendelfeld, wie ein Tiger bei Douglas, wie uralte Trainingsschuhe mit nagelneuer Dufteinlage, wie… Stinkevatter. Danke an die Lesebühnen, dass ich über die Pause hinweg sitzenbleiben durfte und an alle, die im Publikum saßen. Wir riechen, sehen und hören uns wieder.

(An den Unmensch, der im Mauersegler aus meiner Buch-Kasse die 80 Euro entwendet hat: Ich habe dich bei einer Voodoo-Priesterin im Wedding mit einem Fluch belegen lassen und werde ab nächster Woche mehrfach am Tag die mitgebrachte Voodoo-Puppe malträtieren. Bis dahin gebe ich dir die Möglichkeit, die hart ersparten Kleinkunst-Euros anonym per Post, Paypal, Bitcoin oder Biomare-Gutschein zurückzugeben – selbstverständlich mit Zinsen.)

Tourbericht2018-11-05T21:48:01+00:00

Buchmesse 2015

Ein Jahr nach der Buchpremiere zog es mich auf die Leipziger Buchmesse 2015. Zum einen, um einigen Autoren-Kollegen (Ja, ich bin ja nun irgendwie Kollege von Günter Grass und Melanie Müller gleichzeitig.) beim Vorlesen zu lauschen und zum anderen, um die Kulinarik der Fressecken in den verschwitzten Hallen genießen zu können. Ich gehöre nämlich zu denen, die ihre vier Zentimeter dicke Leberkäse-Scheibe aus Massentierhaltung am liebsten kaum angewärmt mit einem handwarmen Tütchen Ketchup genießen. Zudem habe ich einen Faible für gezuckerten Kartoffelsalat aus dem Eimer und kann es auch überhaupt nicht leiden, wenn auf meinem Teller etwas liegt, was das gelb-braune Farbspektrum von Fleisch und kurzkettigen Kohlenhydraten verlässt. Dafür ist die Buchmesse Leipzig berühmt und bekannt und deshalb komme ich immer wieder gerne.

Der wichtigste Grund für meine Anwesenheit war allerdings meine Lesung in Halle 5 am Stand der AusbildBar. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal herzlich für die Einladung bedanken. Die Zuhörer waren super und alle hatten Spaß, trotz der Bahnhofhallengeräuschkulisse.

Und auf Partys war ich auch. Und beim Konzert von Lyrikerin und kreativem Multitalent Marlen Pelny. Und …

 

Buchmesse 20152018-11-05T21:50:31+00:00

Lesungen

 

Die schönsten Momente sind die, in denen man aus einem Buch vorlesen darf, das man selbst geschrieben hat. Bei mir wurde dieses Abfalltalent des Deutschunterrichts bereits in der Schule überdurchschnittlich gefördert. Immer, wenn die Klassenlehrerin mich dabei erwischte, wie ich einen Liebesbrief an Steffi oder Meral verfasste, musste ich ihn vor der ganzen Klasse laut vorlesen. Was für Schadenfreude bei meinen Jungs in der Klasse sorgte, bereitete mir gleichzeitig einige Probleme mit den anwesenden Damen. Zum einen, weil die Lehrerin meinte ich hätte die wohlfeilen Worte unerlaubt dem Erbe Goethes entnommen, was meine Unaufmerksamkeit noch verwerflicher machen würde und zum anderen straften mich Anke und Sonja mit bösen Blicken, da sie eine Unterrichtsstunde vorher einen wortgleichen Liebesbrief von mir erhalten hatten. Aber dafür habe ich heute keinen Hemmungen vor Menschen laut zu lesen. Wer das mal erleben möchte, kann verschiedenen kleinen Veranstaltungen beiwohnen. Zum Beispiel am am 3. Februar 2015 um 19:30 bei der KulturAllianz Stötteritz, am 11. Februar 2015 im plan b in Leipzig oder am 14. März 2015 um 16:00 bei der Ausbildbar auf der Leipziger Buchmesse. Ich würde mich freuen Euch dort zu treffen. Die Anfahrtspläne und weitere Informationen zu den Lesungen findet Ihr hier.

Lesungen2018-11-05T21:51:20+00:00

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